12.01.2017

Stottern

Was ist Stottern?

Stottern ist eine unwillkürliche Unterbrechung im Redefluss, d.h. das Wort kommt nicht so fließend heraus, wie beabsichtigt:

  • Ein kurzes Wort wird schnell wiederholt, z.B. „ichichich“ oder „undundund“
  • Teile von Wörtern werden wiederholt, z.B. „Kakakatze“.
  • Laute werden unbeabsichtigt langgezogen, z.B. „Wwwwasser“ oder „Mooond“.
  • Das Wort bleibt unvollständig stecken, z.B. „T____(Pause) T____asse“

Manchmal kann zu den eigentlichen Stottersymptomen (Wiederholungen, Dehnungen und Blöcke) noch eine Sekundärsymptomatik hinzukommen:

  • Angst vor bestimmten Wörtern
  • Angst vor bestimmten Sprechsituationen, z.B. beim Einkaufen, im Kindergarten oder in der Schule
  • körperliche Anspannung, mit der man versucht, über das Stottern hinwegzukommen, z.B. indem man den Kopf nach hinten drückt oder die Augen weit öffnet

Normale Unflüssigkeiten oder Stottern?

Sprechbeiträge von Kindern und Erwachsenen weisen normale Unflüssigkeiten auf. Hierzu zählen gefüllte („äh“) und ungefüllte Pausen, Wiederholungen von Wörtern und Satzteilen („Ich weiß nicht, ob…“, „Der Junge, der Junge kommt…), Satzkorrekturen („Der rote Kran, äh Bagger“), Einschübe („Da ist – na du weißt schon- Klaus“) sowie betonungsbedingte Dehnungen („Deeeen Jungen meine ich“). Diese normalen Unflüssigkeiten dienen der Sprechplanung und sind kein Stottern.
Nur 4-5% aller Kinder zeigen ein symptomatisches Stottern (Wiederholungen, Dehnungen, Blöcke), welches typischerweise mit dem Zeitraum der Sprachentwicklung zusammenfällt. 75-80% dieser Kinder überwinden das Stottern. Je älter das Kind wird und je länger das Stottern besteht, um so unwahrscheinlicher wird eine Rückbildung. Leider kann derzeit nicht bestimmt werden, welches Kind das Stottern spontan überwindet und bei welchem es bestehen bleibt.

Risikofaktoren für eine Chronifizierung des Stotters

Folgende Risikofaktoren können einen chronischen Verlauf begünstigen:

  • Familiengeschichte- Kinder, in deren Familien bisher kein Stottern vorkam, haben höhere Rückbildungschancen als Kinder mit stotternden Angehörigen.
  • Alter bei beginnendem Stottern- Kinder die vor dem Alter von 3 Jahren mit dem Stottern begonnen haben, weisen eine höhere Rückbildungschance auf, als Kinder, bei denen das Stottern nach dem 3. Geburtstag auftritt.
  • Dauer des Stotterns-Je länger das Stottern anhält, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit der Rückbildung. Die Rückbildungschance ist in den ersten beiden Jahren und insbesondere in den ersten 6-12 Monaten nach Auftreten am größten
  • Geschlecht- Mädchen haben eine drei- bis vierfach größere Rückbildungschance als Jungen.
  • Ausspracheentwicklung und allgemeine Sprachentwicklung. Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen haben ein überdurchschnittliches Chronifizierungsrisiko.
  • Leidensdruck des Kindes und der Eltern- Bei Kindern, die auf die Eigenwahrnehmung des Stottern mit Leidensdruck reagieren, ist von einem ungünstigen Verlauf auszugehen. Neue Studien zeigen, dass die durch die Redeflussstörung hervorgerufene Reaktionen der Eltern eine wichtige Rolle im Behandlungsverlauf spielen.

Ist eine Stottertherapie notwendig?

Immerhin ein Viertel aller Kinder, die im Laufe ihrer Sprachentwicklung stottern, entwickeln ein überdauerndes Stottern. Wir können heute nicht sagen, welches Kind das Stottern überwindet. Unter Einbeziehung der oben genannten Risikofaktoren, wird eine Therapieentscheidung getroffen. Oft reicht eine indirekte Stottertherapie (Beratung der Eltern, des Kindergartens oder der Schule) aus. Sollte das Kind einen Leidensdruck wegen des Stottern entwickelt haben, wird eine direkte Stottertherapie (z.B. Mini-KIDS für Kindergartenkinder oder KIDS für Schulkinder) empfohlen.
(nach Kuckenberg/Lattermann; Nackte Verlag; Frühkindliches Stottern; FAQ zum Stottern für Schulkinder)

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